kohler + partner: Den Wandel persönlich vorleben

Als Experte für Personalgewinnung und Organisationsentwicklung stand kohler + partner bei der eigenen Nachfolgeregelung unter besonderer Beobachtung. Geschäftsführerin Sandra Kohler gibt Einblicke in diesen Prozess und erklärt, weshalb sie mit ihrem Unternehmen auch in Sachen Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine Vorbildfunktion übernehmen will.

Beheimatet im Berner Kirchenfeldquartier zeichnet sich kohler + partner dadurch aus, die Bereiche Personalgewinnung und Organisationsentwicklung unter einem Dach zu vereinen und den Kunden so einen ganzheitlichen und nahbaren Service aus einer Hand zu bieten. Das KMU mit rund 10 Mitarbeitenden wurde 1995 von Bernhard Kohler gegründet und ist seit 1996 Mitglied bei der HIV-Sektion Bern. 2018 kam es zum Generationenwechsel: Sandra Kohler übernahm die operative Leitung von ihrem Vater und das Aktionariat besteht seither aus ihr, Bernhard Kohler sowie dem dritten Partner Jürg Widmer. Nach dem Studium war die heute 39-Jährige zunächst in der Unternehmensberatung tätig und leitete bei ihrer nächsten Arbeitgeberin, dem Psychiatriezentrum Münsingen, bereits nach kurzer Zeit das HR. «Dieser grosse Schritt im noch jungen Alter von 28 Jahren und mit vergleichsweise wenig praktischer Erfahrung war sicherlich ein Schlüsselmoment. Ich habe dort sehr viel über Führung und die Mechanismen in Gremien gelernt. Und auf alle Fälle war es auch ein gewaltiger ‘Lehrblätz’.»

Offener Austausch als Erfolgsbasis

Im Jahr 2012 trat Sandra Kohler dann in die Firma ihres Vaters ein. Ein Schritt, der so keineswegs vorgezeichnet war. «Nach meiner Zeit im Psychiatriezentrum war für mich klar, dass ich in die Organisationsentwicklung wollte. kohler + partner fokussierte sich damals ausschliesslich auf die Personalgewinnung, weshalb bis zu diesem Zeitpunkt die familieninterne Nachfolge kein Thema war. Als dann aber eine selbständige Tätigkeit aufs Tapet kam, fragten sich mein Vater und ich, ob das nicht auch unter dem Dach von kohler + partner funktionieren würde. Und als wir es dann versucht haben, stellten wir überrascht fest, wie gut das von Anfang an klappte. Dies insbesondere, weil die Kunden bis heute stark von beiden Dienstleistungen und dem damit einher gehenden Synergiepotenzial profitieren.» Sandra Kohler sieht es im Rückblick als matchentscheidend an, dass stets ein offener Austausch mit dem Vater möglich gewesen sei. «Er hat mich stets machen lassen. Anders wäre es nicht gegangen, denn ich verfüge über einen ausgeprägten Geltungsdrang.» Als es dann um die konkrete Übernahme ging, war klar: «Das wird eine spannende neue Rolle, aber nur mit einem weiteren Partner an Bord, der den Bereich der Personalgewinnung leitet. Diesen haben wir in der Person von Jürg Widmer glücklicherweise rasch gefunden.» Bernhard Kohler ist heute Verwaltungsratspräsident und steht nach wie vor für ausgewählte Mandate operativ im Einsatz.




Wertvolle Unterstützung der Familie

Als Expertin für Organisationsentwicklung hatte Sandra Kohler bei der Transformation des eigenen Unternehmens auch den Anspruch, es besonders gut zu machen. «Man steht sicherlich etwas mehr im Scheinwerferlicht. Allerdings hatte ich keine schlaflosen Nächte deswegen. Mein Vater und ich unterscheiden uns zwar durchaus in unserem Führungsverständnis, teilen aber die gleichen Grundwerte. Daher ging der Nachfolgeprozess schlussendlich auch sehr unspektakulär über die Bühne. Aber natürlich wussten wir: wenn wir das jetzt nicht hinkriegen, dann wird das nächste gemeinsame Weihnachtsessen wohl nicht so schön», lacht sie. Die Familie war es denn auch, die der zweifachen Mutter und ihrem Mann im ersten Corona-Lockdown eine starke Stütze war. Sandra Kohler und ihr Partner leben eine partnerschaftliche Rollenaufteilung: beide arbeiten je 80 Prozent und kümmern sich zu gleichen Teilen um die Kinderbetreuung. «Als Kitas und Schulen geschlossen und die Kinderbetreuung mit Homeoffice kombiniert werden musste, wurde es schon sehr streng. Wir haben uns dann mit meinem Schwager und dessen Frau zusammengetan. Diese haben ebenfalls zwei Kinder und wir haben es so organisiert, dass immer jemand bei uns zuhause zu allen Kindern geschaut hat und ich im Dachstock arbeiten konnte. Natürlich war es auch so noch schwierig, aber immerhin lösbar.» Auch wirtschaftlich war die Anfangszeit der Corona-Pandemie prägend: «Uns sind zahlreiche Aufträge weggebrochen. Danach hat es allerdings aber wieder sehr angezogen und heute bin ich dankbar, dass wir ein sehr erfolgreiches letztes Geschäftsjahr hatten.»

Frauen fördern und Bestehendes hinterfragen

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist grundsätzlich ein wichtiges Anliegen von Sandra Kohler. «Ich bin stolz darauf, dass in unserem Unternehmen niemand Vollzeit arbeitet. Alle unsere Expertinnen und Experten sind zu 80 Prozent bei uns beschäftigt. Die jüngeren, weil sie eine Weiterbildung machen oder Zeit für andere Engagements haben wollen und die älteren eben aus dem Grund, dass sie ausreichend in der Familie präsent sein können.» Und es ist ihr wichtig, Frauen explizit zu fördern. «Aber: das heisst zum Beispiel auch einfach, die bestehenden Arbeitsmodelle der Männer zu hinterfragen und darauf hinzuarbeiten, nicht mehr in klassischen Stereotypen zu denken.» Agiert sie denn als Chefin anders als ein Mann? «Ich bin aufgewachsen mit dem Weltbild, dass das Geschlecht keinen Einfluss hat auf Berufswahl und Freizeitgestaltung. Im Business-Umfeld bin ich diesbezüglich dann aber schon auf dem Boden der Tatsachen gelandet. In Gremien fallen zum Beispiel häufig Sprüche, wenn eine Frau auf ihrem Standpunkt beharrt. Ein Mann wird dafür gelobt, er habe sich durchgesetzt und bei einer Frau heisst es dann schon mal, sie habe Haare auf den Zähnen.» Und sie habe festgestellt, dass Frauen viel häufiger kritische Fragen bezüglich Karriere und Kinderbetreuung gestellt werden als Männern. Sie habe selber mehrmals haarsträubende Situationen erlebt und setze sich regelmässig damit auseinander, wie sie bei einem offensiven Spruch am besten reagiere. «Ignoriere ich ihn? Lache ich mit oder gehe ich bewusst in die Offensive?» Trotz oder vielleicht gerade wegen solcher Situationen hat sich Sandra Kohler in den vergangenen Jahren im Geschäftsleben erfolgreich durchgesetzt – und wird ihren Kundinnen und Kunden auch hier aus ihrem persönlichen Erfahrungsschatz einiges weiterzugeben haben.