Flexibel und gezielt für die Arbeitswelt, nicht am Markt vorbei
Auch mit beschränkten Ressourcen lässt sich die Bildung an den Bedürfnissen der leistungsorientierten Arbeitswelt ausrichten. Der Kanton stärkt die duale Berufsbildung und fördert ein fokussiertes Hochschulwesen.
Ein attraktives, auf Leistung ausgerichtetes Bildungswesen ist eine der bedeutendsten Grundlagen für ein gesundes Wirtschaftswachstum und für eine tiefe Jugendarbeitslosigkeit. Dies insbesondere im Hinblick auf die erhöhten Anforderungen, welche die Digitalisierung an die Arbeitskräfte aller Stufen stellt. Ende 2023 zeigten die PISA-Ergebnisse 2022, dass die 15-jährigen Jugendlichen in der Schweiz in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften über dem OECD-Durchschnitt liegen, jedoch im Vergleich zu 2015 bis 2022 in allen Fächern schlechter abschnitten. Die Resultate 2022 sind zwar gut, weisen jedoch einen kontinuierlichen Rückgang seit 2015 auf.
Ein wissensorientiertes Land darf sich mit vergleichsweise guten Ratings nicht zufriedengeben. Unser Anspruch muss es sein, in der Bildung international an der Spitze zu stehen.
Gemäss EVAMAR II sind die Fächer Erstsprache, Mathematik, Englisch und Informatik-Benutzerwissen am wichtigsten für die allgemeine Studierfähigkeit und den späteren Erfolg im Berufsleben. Viele Unternehmen sind der Ansicht, dass hier Verbesserungen notwendig sind.
Junge Menschen werden in Zukunft ihre tertiäre Ausbildungsstätte weniger nach der Nähe ihres Wohnorts auswählen, sondern vielmehr aufgrund der Qualität des Studienganges und des Prestiges der Schule. Dadurch intensiviert sich der Wettbewerb.
Die Berner Hochschulen müssen in diesem nationalen und internationalen Bildungswettbewerb ihre Stellung behaupten und sich stärker fokussieren und profilieren. Mit den vorhandenen Mitteln muss zudem nach dem Motto «mehr Bildung und weniger Verwaltung» eine bessere Wirkung erzielt werden.
Das Erfolgsmodell der dualen Berufsbildung ist gleichwertig mit der akademischen Ausbildung zu stärken. Der Kanton Bern ist zudem von einer Chancengleichheit zwischen öffentlichen und privaten Bildungsanbietern noch entfernt. Ein echter und fairer Wettbewerb würde zu einer Qualitätssteigerung und gleichzeitig zu kostengünstigeren Leistungen insgesamt führen.
Forderungen im Einzelnen
1. Bildung als Grundlage für beruflichen und gesellschaftlichen Erfolg:
- Die Förderung der Erstsprache und Mathematik bleibt zentral für die berufliche und gesellschaftliche Karriere.
- Priorität auf den Erwerb der Amtssprache (Deutsch oder Französisch) im Rahmen der Integration.
2. Stärkung der Lehrerausbildung und -weiterbildung sowie der Schulleitungen
- Bessere Anstellungsbedingungen mit leistungsorientierter Bezahlung der Lehrkräfte, um die Qualität des Unterrichts zu sichern.
- Entlastungen für Schulleitungen, welche eine bedeutende und tragende Funktion für ein erfolgreiches Gesamtsystem innehaben.
3. Anpassung des Bildungssystems an die Anforderungen der modernen Arbeitswelt:
- Schulabgänger müssen die Erwartungen der digitalen Arbeitswelt und weiterführender Schulen erfüllen.
- Förderung von Interesse an technischen und naturwissenschaftlichen Fächern, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.
4. Förderung der dualen Berufsbildung und unternehmerischen Denkens:
- Gleichwertige Förderung der dualen Berufsbildung mit akademischen Ausbildungsformen.
- Spezifische Unterrichtsmodule wie zum Beispiel die «Wirtschaftswochen» zur Förderung von unternehmerischem Denken und Eigeninitiative auf allen Bildungsstufen.
5. Stärkung der Hochschullandschaft und Innovationsförderung:
- Die Fachhochschul-Campus an den Standorten Bern und Biel sind rasch zu realisieren.
- Präzisere Ausrichtung der Bildungsangebote von Fachhochschulen und Universitäten an die Anforderungen der Arbeitswelt/Industrie.
- Förderung der Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Fachhochschulen und Universitäten zur beschleunigten Umsetzung von Forschungsergebnissen.
- Ausbau von Ökosystemen zwischen Wirtschaft, Universität und Jungunternehmertum zur Förderung von Innovation und Unternehmertum.
6. Qualitätssicherung und Fokussierung der akademischen Abschlüsse:
- Reduzierung der Anzahl von Post-Graduate-Abschlüssen, um deren Qualität und Relevanz zu gewährleisten.
- Die Universität Bern soll sich als Elite-Institution positionieren und regelmässige Prüfungen anstelle des Numerus clausus einführen. Letzteres dient auch der Bekämpfung des Fachkräftemangels im Gesundheitsbereich.
7. Förderung der Zweisprachigkeit in Bildungseinrichtungen:
- Die Zweisprachigkeit soll vermehrt Eingang in Bildungseinrichtungen und Bildungsangeboten finden. Der Austausch soll gefördert werden mittels zweisprachiger Klassen und entsprechenden Angeboten in der Zweitsprache.
8. Erhalt und Förderung spezifischer Bildungsangebote:
- Unterstützung der International School of Berne als wichtiges Bildungsangebot für internationale Fachkräfte.