FORM AG: Mit kreativem Mut von Bern bis nach Hollywood

Die FORM AG in Ostermundigen hat sich in den letzten 30 Jahren von der Druckerei zum gefragten Partner für kreative Markeninszenierungen gewandelt. Damit hat das Familienunternehmen rund um CEO Stefan und CFO Cornelia Ingold den Sprung bis nach Hollywood und Singapur geschafft.

«Veränderungen waren bei uns immer ein grosses Thema – und etwas, das uns Spass gemacht hat.» Stefan Ingold bringt das Erfolgsrezept der FORM AG im Interview schnell auf den Punkt. Gemeinsam mit seiner Frau Cornelia (CFO), Sohn Thierry (COO) und Neffe Pascal (CMO) hat er das Unternehmen mit viel Pioniergeist vom klassischen Lithographie-Betrieb «Denz» zu einem der führenden Anbieter kreativer Gesamtlösungen entwickelt – und den Wandel immer als Chance genutzt. Heute lautet das Versprechen der FORM AG: «Wir schaffen unvergessliche Markenwelten und ermöglichen mit modernsten Technologien Ergebnisse, die nicht nur faszinieren, sondern nachhaltig im Gedächtnis bleiben.» Wie gelingt eine solche Transformation in einer hart umkämpften Branche? Für Cornelia Ingold lassen sich drei Meilensteine ausmachen. Den Anfang machte vor rund 30 Jahren der Einstieg in den Digitaldruck. «Damals sagten alle: Ihr spinnt – nur Offsetdruck macht Sinn.» Die Zweifler sollten nicht recht behalten und es folgten weitere wegweisende Innovationen: das erste digitale Fotostudio, das gemeinsam mit Rado realisiert wurde, und schliesslich der Einstieg in den 3D-Druck.

Heute betreibt die FORM AG den mit 4,5 x 2 x 2,5 Metern grössten 3D-Drucker der Schweiz. Doch damit nicht genug: «Wir arbeiten auch mit CNC-Maschinen, also computergesteuerten Maschinen und können mit beiden Technologien komplette Innenräume gestalten und neu denken.» Selbst die Materialien wurden zum Experimentierfeld: «Styropor zum Beispiel lässt sich aushärten und fräsen – genau das macht es so spannend.»




Projekte, die um die Welt gehen

Was macht die FORM AG so vielseitig? Ein Blick in die Projektliste zeigt: praktisch alles Räumliche ist möglich. So liessen die kreativen Macher anlässlich neuer Uhrenlancierungen auf dem Dach des Swatch-Drive-thru in Biel einen überdimensionalen Simpsons-Donut entstehen und schufen als Hommage an den Künstler René Magritte einen Apfel mit scheinbar schwebendem Hut. Für die BEA realisierte die FORM AG im Auftrag von Gallosuisse zudem ein 4,5 Meter hohes Huhn, das bis heute als Botschafter der Schweizer Eierbranche unterwegs ist. Auch international hat sich das Unternehmen einen Namen gemacht. Vor rund acht Jahren begann die Zusammenarbeit mit der Uhrenmarke Norqain. Aus ersten 3D-gedruckten Uhrendisplays entwickelte sich ein ganzes Netz an Shop-Konzepten mit Standorten unter anderem in Singapur. Als besonderen Höhepunkt bezeichnet Stefan Ingold den Messeauftritt an der Watch & Wonders in Genf: «Für mich ist das die Champions League des Messebaus. Deshalb war dieser Auftrag ein echtes Highlight.»

Ein weiteres Glanzlicht: Im Auftrag des Designstudios Atelier Oï gestaltete die FORM AG für Rolex den Green Room der Oscars. Eine besondere Herausforderung, denn das Team durfte vor Ort nicht selbst Hand anlegen, sondern musste lokale Fachkräfte anleiten, das Design nach den Schweizer Vorgaben umzusetzen. Stefan Ingold erinnert sich: «Es war toll, dass wir diesen Raum an diesem bedeutenden Anlass zum Aufblühen bringen konnten.»




Ein Team – grenzenlose Möglichkeiten

Rund 35 Mitarbeitende – davon vier Lernende – aus den unterschiedlichsten Berufsfeldern prägen die FORM AG. Dies von der Schreinerei, Werbetechnik, Polydesign und Design über Digitaldruck bis hin zur IT. Für Stefan Ingold ist genau diese Vielfalt der entscheidende Wettbewerbsvorteil. «Ob eine Installation mit Touchscreen oder ein Roboter, der Produkte präsentiert – all das können wir aus einer Hand und vollständig inhouse anbieten», ergänzt Cornelia Ingold. Diese breite Aufstellung ermöglicht es dem Unternehmen auch, immer wieder schnell zu reagieren. So dürfen für Swisscom – einem Kunden der ersten Stunde – rund alle zwei Monate 125 Shops innerhalb von nur drei Tagen neu dekoriert werden. Diese Vielseitigkeit macht die FORM AG zudem zu einer attraktiven Arbeitgeberin: «Der Fachkräftemangel ist für uns zum Glück kein grosses Thema. Im Gegenteil – gerade nach spannenden Projekten erhalten wir viele qualifizierte Blindbewerbungen.»

Grössere Herausforderungen sieht das Unternehmen hingegen in der globalen Wirtschaftslage, die insbesondere die internationale Kundschaft aus der Uhrenindustrie unter Druck setzt. Künstliche Intelligenz wiederum versteht die FORM AG als Chance. «Gezielt eingesetzt und richtig gepromptet, können wir dank KI heute sehr schnell erste Entwürfe erstellen und aufzeigen, in welche Richtung sich ein Projekt entwickeln könnte», sagt Stefan Ingold.




Engagement und Nachhaltigkeit – kreativ gelöst

Trotz zahlreicher internationaler Projekte bleibt die FORM AG ihrer Heimat treu – und engagiert sich entsprechend. Aufträge vergibt das Unternehmen nach Möglichkeit zuerst in der Region Bern. Erst wenn sich hier kein passender Partner für eine gewünschte Umsetzung findet, wird über die Kantonsgrenzen hinaus gesucht. Zudem ist die FORM AG Mitglied der HIV-Sektion Bern und schätzt am Wirtschaftsverband, dass er den Berner Unternehmen eine starke Stimme verleiht. Auch mit den drei grossen Berner Sportclubs SCB, YB und BSV Bern verbindet die FORM AG eine enge Zusammenarbeit. Für YB realisierte das Unternehmen unter anderem den ersten Fanshop im Stadion Wankdorf, baute Spielergarderoben um und konzipierte für die Women’s EURO die Ersatzspielerinnenbänke neu. Für den SC Bern verantwortet die FORM AG das gesamte Stadionbranding und die Signaletik. Gemeinsam mit dem BSV Bern engagiert sich das Unternehmen zudem aktiv in der Nachwuchsförderung.

Verantwortung übernimmt die FORM AG auch in Sachen Nachhaltigkeit. Denn wer für Messen und Events baut, kennt auch eine Kehrseite: den hohen Materialverschleiss. Mit der eigenen Kollektion formcollection begegnet das Unternehmen dieser Herausforderung und entwickelt nachhaltige, 3D-gedruckte Designobjekte und Möbel. Die erste Serie WAVE besteht aus modularen Regalelementen aus recyceltem Karbonfasermaterial, das ursprünglich aus Windkraftanlagen und der Automobilindustrie stammt. Jedes Element ist innen hohl, akustisch dämpfend und individuell mit verschiedenen Filzfarben konfigurierbar – gestaltet für ein zweites Leben.




Mit Weitblick für die nächste Generation

We’ve come a long way – so liesse sich die bisherige Geschichte der FORM AG auf einen Nenner bringen. Denn zwischen dem früheren Litho- und heutigen Innovationsbetrieb liegen Welten. Möglich wurde diese Entwicklung nicht zuletzt dank Menschen, die den Wandel von Anfang an mitgetragen und mitgestaltet haben. Cornelia Ingold übernahm bei ihrem Einstieg ins Unternehmen vor 30 Jahren «mehr oder weniger alle anfallenden Arbeiten – von der Buchhaltung bis zu Dekorationsjobs für verschiedene Kunden». Stefan Ingold war zu diesem Zeitpunkt bereits seit zehn Jahren im Betrieb und hatte sich vom Angestellten zum Betriebsleiter und Mitinhaber hochgearbeitet. Die Zusammenarbeit als Ehepaar und als Familie beschreibt Cornelia Ingold als von grossem Vertrauen geprägt: «Alle ziehen am gleichen Strick. Sehr wichtig ist uns, dass mit den Schlüsselpositionen, die Thierry als COO und Pascal als CMO haben, das Wissen im gleichen Haus bleibt.» Dass es dabei auch mal Reibung gibt, verschweigen die beiden nicht. «Manchmal ‹klepft› es durchaus auch», sagt Cornelia Ingold, «aber es geht uns immer um die Sache.» Bewusste Auszeiten und klare Feierabendregeln helfen dem Paar, die berufliche Nähe auszubalancieren.

Mit dem neuen, 2024 bezogenen Firmensitz wurde zugleich ein starkes Fundament für die kommende Generation gelegt. «Wenn du so ein Gebäude baust wie wir hier in Ostermundigen, machst du das nicht für dich, sondern für den Fortbestand der Firma», sagt Stefan Ingold. «Ich weiss, die nächste Generation, sie kann das.» Und sie wird die Unternehmensgeschichte nach Bern, der Schweiz, Hollywood und Singapur sicherlich noch viele Kapitel hinzufügen.




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