Wirtschaftsupdate Q3: Berner Wirtschaft wächst weiter – Industrie schöpft neue Zuversicht

Die Berner Wirtschaft verliert an Tempo, bleibt aber auf Kurs: 2026 dürfte klar besser ausfallen als erwartet. Die Industrie fasst trotz schwacher Exporte wieder Tritt.

Im zweiten Quartal verzeichnete sie ein hohes Wachstum: Mit Raten zwischen 3 und 3,5 Prozent lag es deutlich über den Erwartungen. Nach einem Höhepunkt im Mai verlor das Wachstum ab Juni sukzessive an Dynamik und bewegte sich wieder nahe am gesamtschweizerischen Durchschnitt. Die Wertschöpfung liegt aber auch im August noch über den Vorjahreswerten. Der Rückgang zeigt in erster Linie eine Normalisierung nach einem aussergewöhnlich starken Frühling, nicht einen Einbruch. Die Berner Wirtschaft wächst weiterhin.

Der Swiss Regional Economic Index (Swiss REco) ist eine aktuelle Schätzung des BIP-Wachstums im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die Schätzung von hpo forecasting und der Fachhochschule Graubünden setzt sich zusammen aus Verkehrsdaten, Stellenausschreibungen, Aussenhandelsdaten, Transaktionsdaten und Logiernächten.

Industrie gewinnt wieder an Breite

Besonders positiv entwickelte sich im ersten Halbjahr 2026 die Industrie. Zum ersten Mal seit Längerem ist die Dynamik im verarbeitenden Gewerbe nicht nur im Pharma- und Chemiesektor, sondern auch in anderen Teilbereichen zu beobachten. Die Warenexporte befinden sich zwar nach wie vor auf einem tiefen Niveau. Gemäss provisorischen Daten des BAZG verzeichneten die Berner Maschinen- und Metallexporte jedoch zum ersten Mal seit Anfang 2025 wieder ein Wachstum. Auch die Elektronik- und Uhrenindustrie verzeichnete im Aussenhandel ein starkes zweites Quartal. Getragen wurde diese Entwicklung unter anderem von einer besser als befürchtet ausgefallenen Nachfrage aus europäischen Ländern.

Auch wenn die Dynamik im dritten Quartal deutlich nachgelassen hat, ist bis zum Jahresende eine weitere Expansion möglich. Denn in der Industrie macht sich einmal mehr die Hoffnung auf eine Aufhellung breit. Wie die KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich meldet, planen Industriebetriebe vermehrt Produktionsausweitungen, und die Beschäftigungserwartungen sind erstmals seit 2024 wieder positiv. Insbesondere die Vorproduktehersteller verzeichnen eine Aufhellung, was die Erwartung eines breit abgestützten Aufschwungs stärkt.

Mehrheit der Branchen bleibt zuversichtlich

Auch in den meisten anderen Branchen ist eine positive Entwicklung zu beobachten. Im Dienstleistungsbereich wird die Geschäftslage positiv beurteilt, und auch die Erwartungen für den Rest des Jahres sind positiv. Positiv heraus stechen insbesondere die Personaldienstleister sowie Verkehr und Transport, während die Informationstechnologie zurückfällt. Im Bausektor zieht der Hochbau an; der Fachkräftemangel ist in dieser Branche jedoch weiterhin deutlich ausgeprägter als in den übrigen. Der Detailhandel wird nach wie vor vom robusten inländischen Konsum getragen. Einzig das Gastgewerbe schwächelt, insbesondere die Hotellerie aufgrund leicht tieferer Gästezahlen aus Asien im Vergleich zum Vorjahr.

Wirtschaftswachstum 2026 dürfte Erwartungen übertreffen

Das Wirtschaftswachstum liegt trotz markant gestiegener Energiepreise klar über den erwarteten Werten. Die Unternehmen gehen derzeit nicht davon aus, die Preiserhöhungen an ihre Kundschaft weiterzugeben. Das drückt zwar auf die Margen, ist gesamtwirtschaftlich aber eher positiv zu werten. Ohne Zweitrundeneffekte ist auch nicht mit einer anhaltend steigenden Inflation zu rechnen. Die SNB ist damit nicht gezwungen, mit Zinserhöhungen zu reagieren, und die Finanzierungsbedingungen für die Unternehmen bleiben günstig. Die Arbeitslosenquote ist auch im Kanton Bern mit 2,2 Prozent nach wie vor erhöht, die Unternehmen rechnen aber mehrheitlich mit einem steigenden Personalbedarf. Angesichts positiver Signale bei den Investitionen ist auch im letzten Quartal von weiterem Wachstum auszugehen. Somit könnten die Geschäftsergebnisse der Berner Unternehmen im Jahr 2026 deutlich über den Erwartungen zu liegen kommen.

Dennoch bleiben die Unsicherheiten hoch. Es bestehen weiterhin geopolitische, handelspolitische und finanzpolitische Risiken. Insbesondere eine Eskalation im Irankonflikt oder im Krieg zwischen Russland und der Ukraine könnte einen lähmenden Energiepreisschock auslösen. Aber auch Verwerfungen bei der Finanzierung hoch verschuldeter Volkswirtschaften oder an den Aktienmärkten bergen konjunkturelle Risiken, die den Aufschwung bremsen könnten.

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