Sektion Bern
Rückblick 2025
Die Ernüchterung war gross, als die Wahlresultate der Gemeinderatswahlen im November 2024 spätabends im Rathaus in Bern verkündet wurden. Entgegen unserer Erwartung gelang einzig Melanie Metter (GLP) als Vertreterin der Liste „meh Farb für Bärn“ den Einzug in den Berner Gemeinderat. Nach einem Jahr der Zusammenarbeit dürfen wir festhalten, dass sich unsere Befürchtungen der linken Powerplay-Politik (wie sie aus dem Stadtrat bekannt ist) nicht bewahrheitet haben. Die Zusammenarbeit mit der neuen Stadtpräsidentin, Marieke Kruit, sowie dem neuen Verkehrsdirektor, Matthias Aebischer, gestaltet sich konstruktiv. So konnte im vergangenen Jahr bei diversen verkehrsrelevanten Projekten Fortschritte erzielt werden. Erwähnt sei an dieser Stelle der im Juni 2025 gestartete einjährige Pilotversuch, bei dem berechtigte Firmen (Handwerk, Logistik, Medizin) mit einer Ausnahmebewilligung ausgewählte Busspuren nutzen dürfen, um Staus zu umgehen. Dieser Versuch auf der Monbijoubrücke und in der Innenstadt dient der Verbesserung des Wirtschaftsverkehrs. Ernüchternd hingegen war das Ergebnis des im November 2025 abgelaufenen Pilotversuchs betreffend die Verlängerung der Ladenöffnungszeiten. Die Evaluation des im November 2023 gestarteten Pilotversuchs ergab, dass insbesondere die Gewerbetreibenden in der unteren Altstadt kein flächendeckendes Interesse an einer Verlängerung der Ladenöffnungszeiten am Samstag um eine Stunde haben. Entsprechend gilt nunmehr ab 1. Januar 2026 wieder das alte Regime. Zu guter letzte durfte unsere Sektion im Spätherbst den jährlichen HIV-Wirtschaftspreis verleihen. In Anwesenheit von über 400 Gästen wurde Thomas „Thömu“ Binggeli der Preis mit folgender Begründung überreicht: «Er ist ein Unternehmer, der nicht nur Produkte entwickelt, sondern eine ganze Bewegung ins Rollen bringt. Seine Geschichte zeigt, wie aus einer Idee, Mut und Beharrlichkeit Innovation entsteht, die weit über unsere Region hinausstrahlt. Wer bereit ist, Risiken einzugehen, den eingeschlagenen Weg auch bei Rückschlägen weiterzugehen und eine Vision Schritt für Schritt umzusetzen, kann neue Massstäbe setzen. Genau das hat Thomas Binggeli getan.»
Ausblick 2026
Vor einem Jahr galt mein Ausblick insbesondere der mit dem neu zusammengesetzten Gemeinderat verbundenen Herausforderungen. Wie bereits erwähnt, wurden unsere Erwartungen an die Zusammenarbeit mit dem neuen Verkehrsdirektor grossmehrheitlich erfüllt. Die Zusammenarbeit gestaltet sich konstruktiv und im Interesse aller Verkehrsteilnehmer; insbesondere auch des Wirtschaftsverkehrs. In dieser Hinsicht werden wir auch im Jahr 2026 unsere Bemühungen hochhalten. Es gilt den Behörden und Politikern weiterhin aufzuzeigen, welches die Bedürfnisse des Wirtschaftsverkehrs sind und wie die verkehrspolitischen Rahmenbedingungen gestaltet sein sollten, damit unsere Mitglieder ihre Rolle als Wirtschaftsakteur bestmöglich erfüllen können.
Schliesslich kommen wir auch im neuen Jahr nicht darum herum, unseren Warnfinger betreffend die stetig steigende Verschuldung der Finanzen in der Stadt Bern zu heben und Ausgaben kritisch zu hinterfragen, wenn einmal mehr die Haltung gilt „das Fremdkapital wahnsinnig „billig“ sei, und man sich durchaus auch ein Leben über unseren Verhältnissen leisten könne“. Aber machen wir uns nichts vor: Die Finanzdirektorin (sowie der Gesamtgemeinderat) der Stadt Bern hat durchaus erkannt, dass die Fremdverschuldung in exorbitantem Tempo steig und eingedämmt werden müsste. Ein Ausgabenverzicht setzt jedoch auch die Einsicht Mehrheit der Stadträtinnen und Stadträte voraus. Um hier eine verantwortungsvollere Finanzpolitik zu betreiben, erwartet uns noch viel Aufklärungs- und Erklärungsbedarf.
Mein wichtigstes Anliegen für die Sektion
Mit grosser Freude sichte ich quartalsweise die Entwicklung unserer Mitgliederzahlen. Die Anzahl der Mitglieder unserer Sektion steigt seit Jahren konstant an. Für uns ist dies zum einen Lohn unserer Arbeit, zum andern aber eben auch ein wichtiges Zeichen solidarischer Zusammenarbeit in der Wirtschaft. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind in den letzten 12 Monaten nicht einfacher geworden. Geopolitische Verwerfungen treffen die Exportindustrie in unerwartetem Ausmass, dies wiederum trifft die lokalen Zuliefererfirmen. In Zeiten herausfordernder wirtschaftlicher Zeiten ist es umso wichtiger, dass die Akteure der Wirtschaft – von den kleinsten Unternehmungen bis zu den Grossfirmen – zusammenstehen, mit einer Stimme sprechen und damit Stärke zeigen. Der HIV engagiert sich im Rahmen all seiner Möglichkeiten für bessere Rahmenbedingungen, braucht jedoch den Rückhalt in der Wirtschaft und den finanziellen und ideellen Support der Wirtschaftsakteure. Auch wenn in einem politischen Geschäft eine vom HIV vertretene Position sich nicht vollends mit derjenigen eines Mitglieds deckt, so wird es in einem anderen politischen Geschäft wieder der Fall sein. Für die Zukunft wünsche ich mir differenziertes Denken, gemeinsame Solidarität und Zusammenstehen, damit wir – getreu unserer Mottos – „die Kraft der Wirtschaft“ gemeinsam ausüben können.
Giorgio Albisetti
Präsident Sektion Bern
giorgio.albisetti@graffenried-liegenschaften.ch
- Sektionen