Eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Lehre und Praxis

Im Frühjahr 2024 startete zum zweiten Mal das Blockseminar «Aussenwirtschaft und internationale Geschäftstätigkeit». Es handelt sich dabei um eine an der Universität Bern angebotene Lehrveranstaltung, die in enger Zusammenarbeit mit dem Handels- und Industrieverein des Kantons Bern umgesetzt wird. Die Berner Wirtschaft hat sich mit Sibylle Plüss-Zürcher, stellvertretende Direktorin des HIV und Leiterin Exportdienst sowie Prof. Dr. Artur Baldauf der Universität Bern über Sinn und Zweck der Kooperation unterhalten.

Berner Wirtschaft: Herr Prof. Dr. Baldauf, weshalb braucht es aus Ihrer Sicht solche Kooperation zwischen Universität und Wirtschaft?

Prof. Dr. Baldauf: Für mich zählt der kontinuierliche Praxisaustausch, der gegenseitige Wissens- und Erfahrungstransfer, zum Selbstverständnis meiner Tätigkeit, weshalb wir als Abteilung viele Transfer- und Kooperationsprojekte initiieren und umsetzen. Der vorliegende Kurs ist vor allem aus Wohlstandsperspektive – die Schweiz als «kleine offene Volkswirtschaft» – von grosser Bedeutung und die Studierenden sollen von erfahrenen, renommierten Praktikerinnen und Praktikern die Möglichkeit erhalten, zu lernen. Es handelt sich um keine reine, theoretische Vorlesung, sondern um einen praxisnahen, interaktiven Kurs. Dies macht ihn für Studierende besonders attraktiv. «Cracks» aus der Praxis sprechen über reale Probleme und zeigen verschiedene Lösungsmöglichkeiten. Wir diskutieren nicht über abstrakte Fallbeispiele, sondern Fachleute aus erfolgreichen Schweizer KMUs kommen vorbei und berichten aus ihrem Alltag. Dieses Feuer wirkt ansteckend und überträgt sich auf die Teilnehmenden.

BW: Was motiviert den HIV ein solche Engagement einzugehen Frau Plüss?

Plüss-Zürcher: Der HIV muss den Talenten von morgen eine Plattform bieten und möchte das Bewusstsein für das wichtige Thema «Aussenhandel» bei den Studierenden schärfen. Dies bedeutet für uns, dass wir einerseits das vorhandene Wissen und das angesprochene Feuer weitergeben und andererseits erste Kontakte mit Firmen ermöglichen. Sei es in der Pause oder nach dem Seminar - immer besteht die Möglichkeit für den Austausch und wer weiss, vielleicht absolviert man bald ein Praktikum in dieser Firma oder arbeitet gar dort! Sich früh ein Netzwerk aufzubauen, ist wichtig und hier können wir Hand bieten.

BW: Zurück zum Inhalt, was lernen die Studierenden im Kurs und wie ist er aufgebaut?

Prof. Dr. Baldauf: In den ersten drei Modulen werden zentrale Inhalte der internationalen Geschäftstätigkeit erarbeitet. Im vierten Modul präsentieren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer als Team die Ergebnisse des von ihnen bearbeitenden realen Business-Cases. Sie stellen ihre Lösungsvorschläge zu einer von einem international agierenden Unternehmen vorgegebenen Problemstellung vor. Vertreterinnen und Vertreter von Wissenschaft und Praxis hören sich die Präsentationen an.

Sibylle Plüss-Zürcher und Prof. Dr. Artur Baldauf

BW: Und dann?

Plüss-Zürcher: Dann besprechen wir gemeinsam die Präsentation und diskutieren mögliche Fallstricke und erhalten oft sehr innovative Lösungsvorschläge. Für die Teilnehmenden sind natürlich auch die ECTS- Punkte, die sie für die Teilnahme erhalten zentral (schmunzelt).
Wer das Lehrangebot besucht und sich mit den Inhalten auseinandersetzt erhält aufgrund des fundierten Verständnisses der aussenwirtschaftlichen Zusammenhänge ein Verständnis dafür, was es braucht, um in eineminternational tätigen, kleinen oder mittleren Unternehmen ein professionelles Risiko- und Finanzierungsmanagement unter Berücksichtigung der internationalen Abkommen und Vorgaben zu führen. Für eine exportorientierte Volkswirtschaft, wie es die Schweiz ist, muss man solche Leute im Team haben.

Prof. Dr. Baldauf: Dem kann ich nur beipflichten. Unser Ziel einer universitären Ausbildung ist es, junge Menschen zu befähigen ein umfassendes Verständnis komplexer Zusammenhänge zu erhalten. Strategisches Denken und die Grundlagen der Unternehmensführung zu beherrschen, sind zwingend notwendig, um im Aussenhandel erfolgreich zu sein.

BW: Was ist Ihnen von der letztjährigen Ausgabe in Erinnerung geblieben?

Plüss-Zürcher: Ganz klar die Abschlusspräsentationen! Das Szenario war der Markteintritt in Südamerika mit einem Produkt der HACO AG. Man spürte, wie sich die Gruppen in ihre Aufgaben reingekniet haben. Was sind die Chancen und Risiken in Brasilien, Chile oder Uruguay Fuss zu fassen? Was für rechtliche Bedingungen herrschen vor? Und wie gewährleisten wir als Firma die Qualität der Produkte? Viele haben sich mit Fragen und Zusammenhängen beschäftigt, die ihnen vorher unbekannt waren – aus Sicht des HIV: Ziel klar erreicht.

BW: Abschliessend an Sie gerichtet Herr Prof. Dr. Baldauf. Was erwarten sie vom diesjährigen Kurs?

Prof. Dr. Baldauf: Es ist sehr motivierend, wenn man feststellen darf, dass Angebote von Studierenden angenommen werden, auch wenn Sie diese nicht wählen müssten. Am Kurs nehmen interessierte, lernbereite Personen teil. Nach den ersten Veranstaltungen haben wir Mails von Studierenden erhalten, die noch teilnehmen wollten; das sagt etwas über die Resonanz und das Leistungsangebot aus. Persönlich freue ich mich schon auf den letzten Kurstag, an dem wieder die Ergebnisse zum Projekt präsentiert und diskutiert werden. Ich bin überzeugt, dass Dank Kursen wie diesem, die Studierenden auf einige, international relevante, Herausforderungen vorbereiten und die Berner und Schweizer Wirtschaft von gut qualifizierten und praxisnah ausgebildeten Fachkräften profitieren können.

Sektion: HIV ändern